Archive für Beiträge mit Schlagwort: Social Media

images (2)

Intro

Dies ist ein Beitrag zum Webmaster Friday dieser letzten Woche im September mit dem Thema „Schneller! Zeitdruck – was tun?“. Ich wähle bewusst als Form die Beschreibung eines beliebigen Tages als eine mehr oder minder geplante Abfolge mehrerer Entscheidungen. Ich trenne nicht zwischen Social Media, Bloggen und Alltag, da im mobilen Zeitalter, in dem wir uns befinden, ohnehin das alles ineinander übergeht beziehungsweise mehr oder minder zeitgleich geschieht. Es gibt keinen festen Ort und keine feste Zeit mehr für die Rezeption oder die Produktion von Medien einerseits und den Alltag andererseits. Außerdem werden einige fachliche Entscheidungen während banaler Aktionen präkonzeptioniert. Also in einem Gedankennebel vorgeformt.

Morgendämmerung

Zeitmanagement bedeutet Prioritäten zu setzen

Piiiep. Piiiep. Piiiep. Lärm! Quälender Lärm! Das schrille Geräusch des Weckers nervt. Meine  Hand streckt sich der Störung entgegen. Irgendwo auf der Rückseite gibt es einen kleinen Schalter. Meine Finger fühlen herum bis sie irgendetwas finden, das sich richtig anfühlt. Gefunden! Der Krach ist beendet. Aufatmen.

Meine Augen sind noch geschlossen. Kaum ist der Lärm weg, kämpfe ich mit der Schwerkraft meiner Augenlider. Es muss sein: Ich öffne sie. Zur gleichen Zeit hänge ich meine Beine aus dem Bett. Nun in Sitzposition. Ich schließe wieder meine Augen.

Ausruhen! Ausruhen? Der Wunsch besteht. Ich räume ihm keinen Platz ein. Keine Zeit. Aufstehen ist angesagt. Keine Diskussion – auch nicht mit mir. Das endet nur in Weiterschlafen.

Wie ein Automat schleiche ich ins Bad. Sehnsüchtig nach Bettruhe und mehr dem Schlaf verbunden als dem Wachsein erschrecke ich, als ich das Licht anschalte. Muss sein. Hat aber etwas Brutales  Überall ist Licht. Die Kacheln reflektieren es und machen es noch schlimmer. „Warum will nur jeder im Bad Kacheln haben?“ denke ich mir. Der Spiegel ist noch böser. Gemeiner. Weder möchte ich das Licht sehen, noch mein Konterfei. Waschen und Zähneputzen erfolgt mit Routine. Die Augen schließe ich zwischendurch immer mal wieder. „Aaaah! Nein! Wieder öffnen. Nur nicht wieder einschlafen.“

Währenddessen erste Gedanken an irgendwelche Themen. Arbeit. Manchmal kommen mir hier die besten Ideen. Notieren? Wie möglich mit Zahnpastaschaum im Mund. Und wer hat seinen Laptop startbereit so früh im Bad? „Merken!“ weise ich mir selbst zu. „Nur nicht vergessen!“ – das ist es, wonach ich gestern den ganzen Tag suchte. „Aber warum jetzt? Warum kommt mir jetzt die rettende Idee?“ Ich rase doch mit Zahnbürste im Mund ins Zimmer, wo ein Notizblock liegt. Ich schreibe ein, zwei Stichworte auf. Die überragende, überzeugende Rede, die ich mir eben still im Bad selbst hielt, bekomme ich nicht mehr auf die Reihe. „Aber immerhin!“ – Das wichtigste ist aufgeschrieben.

Ab in die Stadt

Unterwegs in den Tag mit den ersten Nachrichten aus Radio und Social Media

Die Kleidung des Tages ist schnell ausgesucht. Flott angezogen. Ich überlege kurz, ob ich frühstücke. Wie fast jeden Tag entscheide ich „Nein!“. Dazu gehört Zeit. Muße. Außerdem mag ich es in Gesellschaft und dann ausgedehnt die erste Mahlzeit des Tages zu mir zu nehmen. Entweder zu zweit mit der Partnerin oder mit mehreren.

Sehnsüchtig denke ich an die Kunstexkursionen nach Südfrankreich zurück. Mit mehr als zwanzig Studenten an einem Tisch. Alle engagiert. Selbst motiviert. Ungestört. Die Profs lebten einige Kilometer entfernt im Dorf. Dort sollten sie die meiste Zeit auch bleiben. Wir organisierten uns selbst. Am Frühstückstisch wurde geregelt, wer mit wem wohin fuhr, wer die improvisierte Dunkelkammer im Bad benötigte oder wer für das warme Abendessen sorgte.

Währenddessen packe ich mein Smartphone in die Innentasche meines Blazers. Schnell den Rucksack über die Schulter geschwungen. Ein kurzer Blick in die Wohnung, ob ich nichts vergessen habe. Ich mag es nicht, wenn das Geschirr stehen bleibt. Ein weiterer Grund gegen das Frühstück zuhause. Das bedeutet noch mehr Zeitverlust.

Also schnappe ich mir mein Smartphone, stelle das Radio ein und gehe zur Bushaltestelle. Bevor der Bus kommt checke ich zum ersten Mal Twitter und Facebook. So für den ersten Überblick. Manchmal auch schon Google Plus. Aber da brauche ich meist mehr Zeit. Nicht unbedingt mehr Ruhe. Ohne Zeichenbeschränkung sind die Statusmeldungen dort meist länger als auf Twitter oder Facebook. Nicht selten komplette Kurzartikel. Manchmal auch vollständige Blogposts mit noch einem Link als Bezugspunkt dran. Kurz: Google Plus ist meist zu  umfangreich für unterwegs.

Manche Tage kommt es vor, dass mir das Radio den ersten Tagesüberblick liefert, während Twitter  & Co.mir Weiterführendes mitteilen. Aber zumindest erste Meinungen.

Bei bestimmten Ereignissen, die Echtzeit erfodern, filtere ich nach Hashtag und Keywords. Das sind Revolutionen, Naturkatastrophen oder Konferenzen. Dann will ich auch an der Bushaltestelle und im Bus wissen, was Sache ist – und das von Menschen vor Ort.

Umsteigen in den Zug. Mitunter twittere ich von hier aus das erste Mal. Im Bus fast nie. Mit Bewunderung schaue ich der Whats-App-Generation über die Schultern, in welchem Tempo mit anscheinend kaum Tippfehlern sie das schaffen. Im Ort angekommen gehe ich ins Bistro. Hier bestelle ich ein Croissant und ein warmes Koffeingetränk. Irgendwo nehme ich Platz. Im Stehen mag ich nur ungern etwas verköstigen. Während dieser Zeit beachte ich weder mein Smartphone noch Tablet, das ich in der Zwischenzeit starten lasse. Sie warten arbeitsbereit auf dem Tisch. Aber jetzt ist nicht ihre Zeit. Noch nicht. Aber bald.

Zeit fürs Bloggen

Nachdem die letzten Krümel des leckeren Croissants vom Tisch gefegt sind und die Hände gewaschen, weil die Marmelade mal wieder kleben musste, beginne ich mein Tablet mit angedockter Tastatur vor mich zu stellen. Das sieht nicht nur nach Arbeit aus, das wird es auch. Denn jetzt ist Blogging Time!  Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich für das Thema. Meist habe ich vor mehrere Artikel zu schreiben. Da muss ich nur sondieren, ob mir mehr nach diesem oder jenem ist. Eine Deadline gibt es nicht. Meist. Es sei denn es ginge um eine Blogparade. Die haben sowas wie einen Abgabetermin. Das ist aber nichts Ungewöhnliches für mich. Länger als einen Tag schreibe ich eh meist nicht an einem Blogpost. Oft nur irgendwas zwischen zwei bis vier Stunden.

Über Aufträge äußere ich mich nicht. Das liest sich bei vielen wie Kundenbeschimpfung. Sondern nur über meine privaten Unternehmungen. Die dienen aber ebenso meiner beruflichen Reputation, sodass sich das beides nicht so leicht voneinander trennen lässt. Nach ersten Überlegungen, wie ich das Thema angehe, entscheide ich, in welches meiner Blogs der Artikel hineinpasst. Rein Fachliches landet in PR goes social, sind mehr Ich-Anteile enthalten gehört es in mein persönliches Blog countUP Blog. Und ist es experimentell, dann ins Medienstübchen. Manchmal entsteht der Post erst beim Schreiben, ein anderes Mal habe ich schon klare Vorstellungen, wo die Reise hingehen soll. Die benötigte Zeit zum Schreiben ist jedesmal aber fast immer gleich.

Der Wettlauf ums Publishing

Reiner Terminfetischismus oder geht es um Inhalte?

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst? Nicht unbedingt. Was mir vollständig unwichtig ist beim Bloggen für eine Blogparade, ob  ich der erste bin in der Liste der Abgeber. Als ginge es um ein Wettrennen. Da kommt es mir zu sehr auf Form und Inhalt an beim Schreiben als auf so gehaltsferne Kriterien. Zugegeben: Sie sind schön messbar. Der erste ist der oberste auf der Liste. Für alle Nachfolgenden gut sichtbar. All die anderen verlinken womöglich seinen Artikel. Was so schön nach SEO klingt, kann aber fatal werden. Wie schnell ist so ein Artikel gestrickt? Wie groß ist dann die Versuchung, in die Schublade zu greifen und vorgefertigte Artikel abzugeben? Abgestandene Posts riechen schlecht. Haben etwas Anrüchiges, auch wenn sie von einem selbst geschrieben wurden. So zeitlos ist das Netz eben nicht. Dazu verändert sich zuviel viel zu schnell. Vorgeschriebene Artikel sind selten aktuell. Somit schwindet mit der Schnelligkeit oft die Aktualität des Geschriebenen. Damit auch die Qualität.

Wer auf solche Posts verlinkt, tut seiner Reputation keinen Gefallen. Und manch einer, der immer der erste sein will, wird schnell der letzte sein. Diese Weisheit hat sogar biblische Grundlagen. Hier gilt es abzuwägen: Will ich jetzt im Moment besser gefunden werden? Oder eine gute Reputation haben? Sicherlich muss man hier einen Mittelweg finden. Aber mit schlechten inhaltlichen Posts tut man sich keinen Gefallen, auch wenn sie schnell gefunden werden. Die schnelle Blamage ist kein Wert. Dann besser etwas konservativ nicht den schnellsten Weg gehen, sondern auf Werte setzen.

Das Internet als reiner Verlinkungsapparat ist etwas anderes als das Internet als Vernetzung von Menschen ist etwas anderes als das Internet als Gesellschaft der Prosumer. Technik, Psychologie oder Soziologie – sie spielen immer eine Bedeutung, wenn wir „Internet“ sagen. Die Beschleunigung ist kein Problem. Das ist eine Frage eines gelingenden Zeitmanagements. Und das bedeutet Prioritäten zu setzen. Die muss man für das Hier und Jetzt kennen.

Nach dem Bloggen ist vor dem Bloggen

Ich verlasse das Bistro. Als letztes habe ich meinen Post mehrmals gelesen. korrigiert und irgendwann für beendet erklärt. Meist teile ich ihn über Twitter, Facebook, LinkedIn, Google Plus und als letztes meist noch Pinterest. Auf dem Rückweg plötzlich ein Tumult. Mein Smartphone ist an, da ich Radio höre mit Knopf im Ohr. Ich frage, was los ist. Mache ein paar Aufnahmen. Überlege mir die Situation eventuell zu streamen. Oder zumindest zu filmen. „Mein Tablet hat eine bessere Qualität“ – überlege ich. Aber das dauert zu lange bis es hochgefahren ist. Zuviele Apps – ich gebe es ja zu. Ich ärgere mich, kein Reporter-Mikrofon mitzuhaben. Der Ton wäre wesentlich besser. Aufnehmen, abschicken, verteilen. „Voreilige Berichterstattung“ denke ich mir. Aber warten bringt hier auch nichts. Da bin ich ehrgeizig: Wenn ich selbst vor Ort bin, dann möchte ich der erste sein, der darüber berichtet. Sitze ich am Rechner, während irgendwo anders ein Ereignis stattfindet wie eine Revolution und ich kann von wo ganz anders aus Meldungen retweeten, so mach ich das. Da möchte ich mitwirken, dass wir online schneller sind als Rundfunk und Print. Es geht um eine zeitnahe Berichterstattung, die noch mitten drin steckt im Ergriffensein vom Ereignis. Und es geht ums Kuratieren von Inhalten. Ums Auswählen, was man anhand welcher Kriterien verteilt.. Aber das wäre ein anderes Thema, wie hier journalistisch die Qualität sichergestellt werden kann oder welche Tugenden ein Journalist heute haben muss.

Be- und Entschleunigen

Das Internet ist eine Realität in unserem Alltag. Längst ist es mobil geworden. Smartphones sind erst der Beginn. Uhren und Brillen werden folgen. Und wer weiß, was für Geräte noch. Es ist keine Frage der Zeit, wie lange man online ist. Festquatschen kann man sich ebenso offline – und damit das Zeitgefühl verlieren. Oder beim Bücherlesen. Wichtig ist, Prioritäten setzen zu können. Dabei geht es nicht, um offline versus online, sondern überhaupt: Wofür ist mir meine Zeit wichtig? Alles andere ist nebensächlich. Reine Eile mit Weile, also Entschleunigung, bringt nicht automatisch Muße mit sich. Man muss die Zeit entsprechend nutzen und nicht einfach mit Nichtstun vertrödeln.

image

Intro


Es ist einer dieser heißen Tage. Klimatisch Spätsommer. Über 30 Grad im Schatten. Aber kalendarisch betrachtet Herbstbeginn. Fünfter September. So sitze ich im Schatten eines Cafés im Rheinland und kämpfe mit dem offenen WLAN. An. Aus. An. Aus. Die Entscheidung ist gefallen: Ich blogge zum Thema wie social ich denn nun sei. Die Ausfallorgien des Netzes sorgen für einen etwas mauligen Unterton. Sei es drum! Da müsst Ihr nun durch als Leser.

Offenes WLAN als Geschenk und Schabernack


Aber wer kennt es nicht von Euch? Da sitzt Ihr irgendwo, seid froh, dass es ein offenes WLAN gibt – und dann verwöhnt es Euch mit diesem Staccato. Wieviel Tweets verdanken sich auf Konferenzen diesem Umstand, dass Ihr kein WLAN bekamt? Oder es kurz da war und es wieder verschwand. So einfach. Ohne Vorwarnung. Fort! Deshalb ist es nun beschlossene Sache: Ich werde zum Thema bloggen, denn ich stecke gerade mitten drin. Was könnte besser dazu geeignet sein als der temporäre Verlust der mobilen Weltverbundenheit, um der Bedeutung der Sache an sich gewahr zu werden.

Es begann damit, dass ich einem Bettler seine Obdachlosenzeitung nicht abkaufte, sondern ihn abwies. Stattdessen setzte ich mich in ein stylisches Café, nein, eher so ein hippes Gastronomiedingens für Frozen Joghurt, französische Tartes sowie Teespezialitäten. Sessel und Sitze mit Lederbezug. Etwas für Freunde von asiatischem Design. Nicht unwichtig ist, dass das fast genau vor der Nase des Obdachlosen war. Kurze Zeit später zog er von dannen. Er kam aber wieder. Laut schimpfend über diese iPhone-Besitzer. Dabei besitze ich kein solches Gerät. Ich suchte nur direkt vor seiner Nase nach dem Netz mit meinem Smartphone. Marke Samsung. Aber das muss ich ihm zugute halten: Er maulte in die entgegengesetzte Richtung. Dort befand sich ein Steakhouse. Irgendwie fühlte ich mich dennoch angesprochen.

Ich hätte ihm ja ein paar Cent gegeben. Aber was weiß ich, wie die hier vor Ort organisiert sind. Das ist es eben manchmal. In Dortmund gab es einen Laden, der die Zeitschriften verteilte. Es war bekannt, dass der Besitzer eine eindeutig politische Meinung besaß. Und zwar die, die entgegengerichtet war zu den Lebensinteressen der Obdachlosen. Was weiß ich nun, wen ich mit der Spende unterstütze? Außerdem hatte er eine neue Lederjacke an sowie niegelnagelneue Schuhe. Er sah alles andere aus als obdachlos zu sein.

Also weiter im Text. Das heißt: Erst einmal beginnen.

Nein! Das Netz. Wieder weg! Wie kann ich denn schreiben, wenn die mobilen Kuscheleinheiten, die ich neulich erst lobte, immer wieder verschwinden? Also WLAN, das Netz, ist wichtig. Dringend wichtig. Ein Leben ohne Netz: schwer vorstellbar. Jedenfalls für mich als Blogger. Für mich als Curator von Inhalten. Für meine Kontakte und mich: Man nennt es Kommunikation!

Der restaurative Blick in die reine Offline-Welt: nicht wünschenswert. Reines face-to-face genügt nicht mehr. Zu wenig Expertise um mich herum. Wie kann es heute noch solche Menschen geben, die das fordern: raus aus dem Netz, rein in das, wie es früher gewesen sein soll? Trotz NSA und all der Skandale: Da muss es eine politische Lösung geben. Der vermeintliche Entzug von allem Digitalen jedenfalls bringt nicht die Lösung. Sonst wäre ich jetzt ein glücklicher Mensch. Jedenfalls immer wieder zwischendurch. An. Aus. An. Aus.

Ich wechsle das Lokal mit Hoffnung auf besseres WLAN. Neulich funktionierte es dort sehr gut. Doch neulich war neulich. Dafür springt mich hier das hauseigene WLAN ständig an. Ihr kennt das bestimmt – diese aufpoppende Seiten mit blinkendem Cursor im Formularfeld. Beschreibe mich! – scheint es zu rufen. Schließlich melde ich mich auch bei diesem Anbieter an. Hinterlasse nicht nur meine eMail, sondern ebenfalls meine Telefonnummer. Sie wollen mir die Zugangsdaten per SMS zuschicken. Nur so geht es: via SMS. „So! Das reicht nun für die Geheimdienste“ dachte ich mir. „Jetzt könnt Ihr nicht maulen. Auch sämtliche Polizeibehörden, die keine richterliche Erlaubnis wollen – aber, ach nein. die gibt es ja nicht. Da halten sich alle brav an die Vorschriften! Und von fremden Diensten wird sich keiner die Daten besorgen.“ Schmunzelnd setze ich meine Tipporgie fort. Währenddessen zwitschert mir mein Samsung, dass eine neue Nachricht da ist. Nein, sie ist es nicht. Speicher voll. Kann keine Nachrichten empfangen. Also auch keine SMS. Nun weiß wer auch immer, meine Daten und ich habe nichtmals was davon. Weiter also mit stotterndem WLAN.

Kommunikation als Wert an und für sich sowie als Reputation


Ich twittere, also bin ich. Es gibt kaum etwas, das ich nicht öffentlich twittere. Dabei schreibe ich entweder eigene Gedanken auf oder kuratiere und teile ebenso fremde Inhalte. Stay informed! Darum könnte ich ebenso schreiben: Ich share, also bin ich – auch wenn das kein cartesianischer Skeptiker so schreiben würde.

Dem einen sind es zuviele eigene Gedanken, dem anderen zuviel fremde Inhalte. Anderen kann man es eh nicht recht machen. War und wäre auch nie ein Ziel für mich. Verlorene Lebenszeit. So machen sich einige nur unglücklich, wenn sie so der Meinung anderer folgen. Sachliche Kritik ist etwas anderes. Die ist nützlich.

Meine Follower, Fans und von mir Gefolgten produzieren ständig eigenes Wissen oder teilen das von anderen. So extrahieren einige Aggregatoren besondere Tweets und präsentieren sie in eigenen digitalen Zeitschriften. Die TweetedTimes wird einzig durch meinen Twitterstream gefüttert. RebelMouse durchforstet zusätzlich Google Plus sowie Facebook. Und die Paper.lis erweitern die Suchanfragen noch durch Suchmaschinenabfragen. Die Zeitschriften sind öffentlich zugänglich und abonnierbar. Also social pur. Ich behalte das Wissen der anderen nicht als Herrschaftswissen (Habermas) für mich in dieser geordneten Form, sondern gebe es der Community zurück. Teile das Wissen mit ihr.

Vorwiegend haben meine Inhalte etwas mit Kommunikation zu tun. Darum überwiegen fachliche Themen zu PR, Werbung, Journalismus, Medien – und Social Media im besonderen. Politik ist ebenfalls ein kommunikationslastiges Thema. Darum twittere sowie blogge ich auch darüber. Das ganze Schreiben-Über würde mich auf Dauer langweilen. Ach geh! Da muss auch „Butter bei die Fische!“ – also spiele ich ebenso auf meinem Blog „Medienstübchen“ mit Formen. Der geneigte Leser wird ein Spiel mit Formen sowie Formalem auch in meinen beiden anderen Blogs „countUP Blog“ (dieses hier) sowie mein Fachblog „PR goes social“ finden (jenes dort ).

Natürlich könnte ich jetzt überall die journalistischen Formate digital nachbilden, um meine Reputation in diesem beruflichen Feld nachzuweisen. Aber: Täte ich das wirklich dann? Was soll das Schreiben von Artikeln, das davon ausgeht, dass irgendeine Nase den Text gegenbenfalls von hinten wegkürzt? Ey, wir sind online! Da gibts sowas nicht. Jedenfalls gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, so zu schreiben, weil wir den Platz haben. Wie lang ein Blogpost ist ist quasi wurscht. Mal abgesehen davon, dass ich in meinen Blogs mein eigener Chefredakteur bin.

Wir müssen nicht alles über Bord werfen, was der Journalismus hervorbrachte. Die Unterteilung in Information und Meinung halte ich für sinnvoll. Nur ist Schreiben Online oft mehr das Mitteilen der eigenen Meinung. Also der Kommentar. Leitartikel! Heilige Kuh des Chefredakteurs. Kein Wunder, dass die Hohenpriester von Print keine Relativierung ihrer Leistung sehen wollen. Hier läge übrigens eine Chance der Papierverarbeiter mit besserer Qualität zu glänzen. „Hey, wir können es doch besser!“

Politik. Das spannende am derzeit aktuellen Spionagefall sind mehrere Dinge: Er ist weltweit, was nochmals die Aktualität von Nationalstaaten in Frage stellt. Oder man sich fragen kann: Welche Kompetenzen kann ein Staat dieser Tage überhaupt noch haben?

Und desweiteren ist es ein Beispiel größtmöglicher Nichtkommmunikation. Schweigen und Verschweigen auf hohem Niveau. Zeiten, in denen schwarzer Edding zum Symbol von Transparenz erhoben wird – man denke an die Akten der NSA an die deutsche Regierung, auf die sich Pofalla bezog. Konkrete Kunst. Schwarze Linien auf weißem Grund. Er verkauft sie uns als Informationsmitteilung. Doch sie können nur schwarze Striche auf Papier sein. Eine hermeneutische Fehlleistung. Oder eben reine Diegese . Die Politik wird fiktional. Das Ende von Evidenz. An ihre Stelle treten neue Mythen. Auf jeden Fall ein Thema für Profis in Kommunikation!

Reputation als Ziel ergibt sich also weniger durch Präsentieren von gelungenen Beispielen, die Profis aufschreien lassen, „Oh, das ist professionell!“ und dann nur wieder Bekanntes wiedererkennen, sondern mehr durch das Wagen in unbekannte Gebiete. Durchspielen neuer Formate. Aufzeigen von Chancen und Möglichkeiten. Welche Formate in Blogs gibt es, kann es geben und wird es geben? Das kann man nicht so ohne weiteres beantworten. Das muss man machen.

Tanz auf vielen Hochzeiten


Ich lebe Social Media. Neben Twitter, Facebook, GooglePlus bin ich in noch weiteren Netzwerken sowie auf anderen Plattformen. Schon rein beruflich. Aber hier mache ich keine Trennung zwischen Privat und Beruf. Es gibt keine Plattform, die ich nur für Privates oder nur Berufliches nutze. Zu oft wird berufliche Kommunikation privat und private Kommunikation beruflich. Ich blogge auf Blogger (Google) sowie WordPress, spiele aber auch auf anderen Plattformen herum.

Social Media läuft lebensbegleitend. Darum das Drama mit dem stotternden WLAN. Es ist wie ein ständiger Begleiter. Wenn die Bahn wie neulich aus dem Bahnhof „Düsseldorf Airport“ eine Zugausstellung macht, die Durchsage verlautbart, es finde kein Zugverkehr mehr statt, dann twittere ich derlei Aktuelles selbstverständlich. Ich war kurz vor einem Interview mit einem der Lokführer, da kam die gegenteilige Durchsage, die Züge dürften doch wieder fahren. Im Gespräch mit ihm war ich bereits. Leider hatte ich kein Reporter-Mikrofon dabei. Das wäre sofort als Podcast herausgegangen. Thema egal. Aktuell halt. Es gibt keine bestimmten Zeiten für Social Media bei mir. Theoretisch ist es fast immer möglich. Es geht um Menschen, Zwischenmenschliches, Informationen und Meinungen.

Ich schließe nun diesen Blogpost.

Ein Musiker, der für die musikalische Untermalung sorgt, beendet seine Darbietung. Er grüßt nett als er an meinem Tisch vorüberzieht. Seinen Hut streckt er mir entgegen. Vielleicht gebe ich ihm etwas, vielleicht auch nicht. Das möchte ich Eurer Phantasie überlassen. Wie hättet Ihr reagiert? Wie sozial seid Ihr?

Das ist ein Beitrag zur Blogparade von Tim Ehling auf ethio

image

Vorgehensweise

Da meiner einer sich erst an zwei Blogparaden beteiligt hat, wäre es vermessen, einen Beitrag anzustreben, der sich auf diesen leicht überschaubaren empirischen Fundus beruft. Zudem ist bei beiden Blogparaden die Frist noch nicht abgelaufen, so ist nichtmals eine Rückschau möglich.

Statt nun den erfahrenen Teilnehmen von Blogparaden als unerfahrener Besserwisser in die Parade zu fahren, entschließe ich mich zu dem mir einzig machbaren Ansatz: nämlich in medias res zu gehen. Nein: zu stehen,; denn dort befinde ich mich: mittendrin. Mitten drin in zwei laufenden Blogparaden. Zähle ich die jetzige dazu, sind es sogar drei. Von diesem Ort aus schaue ich nach rechts, nach links, ich betrachte einfach die unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes Parade und befrage sie, inwiefern sich die Bedeutung des Wortes Blogparade ändert, wenn man es von dort her versteht. Ich betrachte es nicht von der französischen Sprache her, obwohl es ursprünglich ein französisches Wort war.

Ich schaue auf die Verwendung, wie sie vorwiegend im deutschsprachigen Raum üblich ist. Nicht, weil es vom Deutschen vereinnahmt worden ist, sondern umgekehrt, weil das Deutsche immer durch andere Sprachen bereichert wurde: durch Französisch besonders durch die Hugenotten in allen Lebensbereichen, durch Italienisch in der Musik, durch Englisch heutzutage überall an jedem Ort. Sicherlich finden sich noch mehr Belege. Das Ruhrgebietsdeutsch lebt beispielsweise durch eine Vermischung aus Deutsch und Polnisch – berühmtes Beispiel: Motek für Hammer. Aber ein weiteres Verständnis, was Parade sein kann, bietet es nicht. Dafür aber der Fußball.

Geht man so vor wie beschrieben, so durchstreift man den militärischen Bereich, den Sport mehrfach, die Kultur ebenfalls. Es ist also eine Vielfalt an Bedeutungen zu erwarten. Somit scheint es nicht eindeutig zu sein, was wir meinen, wenn wir von Blogparade sprechen, schreiben, dazu aufrufen. Die anderen Bedeutungen schwingen immer mit – und wer kann schon sagen, welche sein Mitmensch als vorrangig betrachtet, sofern es so etwas überhaupt gibt: eine bevorzugte Bedeutung, die über allen Kontexten als erste assoziiert wird.

Mag jemand diese Vorgehensweise einerseits für einen rhetorischen Kniff halten oder andererseits als ernstzunehmende Herangehensweise, die das Verständnis von dem näher beleuchtet, was wir da eigentlich machen oder machen wollen, so zählt letzten Endes das Ergebnis, das es mir respektive uns bringen mag. Ich hoffe auf ein wenn nicht tieferes, so doch zumindest vielseitigeres Verständnis von Blogparade. Bringen wir also den Begriff zum Schillern!

Militärparade

Schweres Gerät sowie Waffen rollen grollend auf den Straßen. Solange es Panzer gibt, werden die Straßen beben. Ein Kribbeln steigt von den Füßen durch den Körper. Ein Aufmarschieren der Truppen ist nicht zwingend notwendig. Mögen manche aber. Ebenso muss kein Publikum anwesend sein. Tut dem Ausführenden allerdings gut. Denn mitten drin, jedoch am Rande in Sicherheit, steht irgendwo ein Diktator, hohes Militär oder ein Regierungsfuzzi, der erhoben von einem Podest aus dem Geschehen zuwinkt. Ihn grüßt das Militär. Er grüßt zurück. Jene wollen oft das Publikum. Und Kameras. Dem Regierungsfuzzi gefällt es. Ihm huldigt das Militär. der Gegner darf sich erschrecken. Manchmal das eigene Volk ebenfalls.

Als ich zunächst erstmalig von Blogparade las, dachte ich, „das ist der Aufmarsch der Blogposts!“ Jedoch missfiel meinem realpolitisch pazifistich schlagendem Herzen dieses ganze militärische Drumherum. Und ich verstand gleich, warum es parallel ebenfalls den anderen Begriff Blogkarneval gibt: Ist doch de Zoch kütt ein wesentlicher Bestandteil von allen Kanevalen, Faschings und dergleichen. Sie alle veralbern das Miitärische, was dann schon eher zu einer Blogparade passt.

Jedoch stelle man sich einmal vor, ein SEOler ruft zu einer Blogparade auf. Ist das nicht der Aufmarsch der treffenden Keywords? Sind sie nicht das schwere Gerät und die Waffen? Der Content zählt doch nur, solange er sich am Suchmaschinen-Rank (besonders Google) messen lassen kann. Content ist doch nicht Inhalt im Sinne einer Botschaft, sondern nur Mittel zum Zeck. Nicht bei allen. Zugegeben. Aber bei vielen, solange es beispielsweise Google zulässt. Der SEOler braucht für seinen Aufmarsch von Blogposts mit den immer selben Keyowrds keine großen Ausschreibungen. Die werden eher inhouse gemacht. Diese Vorgehensweise wird nicht gerade verschwiegen. Jedoch auch nicht an die große Glocke gehängt. Was des eigenen Kunden Gefallen, soll des Mitbewerbers Missfallen sein: der Suchmaschinen-Rank. Das Maß von allem in SEO.

Mir fällt es schwer, den Macher einer Blogparade mit dem Diktator, hohen Militär oder Regierungsfuzzi gleichzusetzen. Besonders in diesem Fall. Die Karrierebibel als derjenige auf dem Podest, der Winkewinke macht? Nein. Allerdings fällt es mir weniger schwer, in SEO Ansätze von durchgreifenden Maßnahmen zu sehen, die dem Militärischen ähneln. Da fällt mir gleich die Verlinkungspraxis ein. Die gibt es ebenfalls in jeder Blogparade. Da gleicht dann das Nebeneinander der Blogposts doch einem Aufmarsch. Nämlich, wenn wir sie mehr als ein Nebeneinander von Links sehen, die dem Macher wie den Schreibern nutzt. Dieser ganze Linking Park ähnelt dann schon einem Exerzierplatz. Wobei jetzt Wortklauber ankommen werden und sagen, dass der Platz weniger der Ort einer Militärparade ist. Das stimmt. Es ist eher der Boulevard. Die große Straße. Es darf nichts stehen, sondern muss vorbeiziehen. Es soll alles sein, nur nicht Überschaubar wirken. So erst entsteht der Eindruck von Größe. Unüberschaubarer Größe. Diese Wichtigtuerei vermittelt meines Erachtens keine Blogparade.

Défilié

Nicht jedes Vorüberziehen ist ein Vorbeimarschieren. Während beim Schützenfest durchaus marschiert wird – in manchen Gegenden sogar im Stechschritt – marschiert der Jeck im Karneval nicht, obwohl es auch dort Marschmusik geben kann. Zugegeben: Ansätze von Gleichschritt gibt es dort auch. Allerdings wird die militärische Strenge durch das Tanzmariechen aufgelockert, das das Interesse weniger auf die Bedrohung, die Abschreckung lenkt, sondern in Richtung Allzumenschliches. Zudem sind die Texte der gespielten Musik selten sehr obrigkeitshörig, tendenziell meist im Gegenteil!, sodass jedes Aufkommen von militärischem Antlitz im Keime erstickt wird, auch wenn die Uniformen oft historisch korrekt sind – und die haben eine militärische Vergangenheit, obwohl es in beiden Fällen oftmals die ehemaligen vierteleigenn Bürgerwehren sind, die dargestellt werden. Also nicht das Militär im eigentlichen Sinn. De Zoch ist mehr Défilé denn Mitlitärparade. Wenn Militärparade, dann Veralberung des Militärischen. Man betrachte nur die Konfettikanone.

Denn Défilé meint jedes feierliche Vorbeiziehen einer Gruppe an, ja, das kann auch wieder ein Diktator, hohes Militär oder Regierungsfuzzi sein – am Gastgeber vorbei, wer immer das sein mag. Wichtig ist: Ein Défilé hat einen Gastgeber. Es ist kein militärischer Aufmarsch, der auf Befehl stattfindet, sondern es findet eine Einladung statt. Ihm fehlt die Strenge. Im Regelfall auch die Marschmusik. Das Erschrecken. Somit ist Défilé eher passend für unser Verständnis von Blogparade.

Die Blogposts ziehen sehr wohl in ihrem Nacheinander des Erscheinens oder in ihrem Untereinander ihres gelisteten Daseins am Einladenden der Parade vorüber. Aber sie sind eben die Gastgeschenke derjenigen, die sich eingeladen fühlen. Erst durch die thematisch passenden Blogposts wird die Blogparade zum Défilé für ein bestimmtes Thema. Es soll um Content gehen, nicht einfach nur um Verlinkung. Deswegen werden die Blogposts gegen Ende nochmals in einer Rückschau vom Gastgeber zusammengefasst.

Parade in der Kunst

Parade ist der Name eines multimedialen Ballets aus dem Jahre 1917 nach einem Thema von Jean Cocteau, komponiert von Eric Satie; Bühnenbild, Kostüme und Vorhang entwarf Pablo Picasso. Bekannt wurde es wegen seiner „Instrumente“. Manche ordneten es formal auch als Tanzsuite mit Jazz- und Geräuschelementen ein. Trompes l’oreilles schimpften es einige. Es war ein Skandal!

Inhaltlich geht es um einen Zirkus. Clowns versuchen die Aufmerksamkeit des Publikums für sich zu gewinnen. – Was für ein Kommunikationsthema! Wie geschaffen für PR. Geeignet für das alle Themen rund um Blogs und Blogparaden.

Für eine bunte, schillernde Blogparade, die formale Experimente zulässt, eignet sich dieser hehre Anspruch sehr gut, den dieses Ballett hat. Doch ist dieses Ballett zu komplex, um in einem kurzen Abschnitt in einem bescheidenen Blogpost wie diesem besprochen zu werden. Ich möchte aber nicht ohne Hinweis auf dieses Kunststück bleiben. Den gab ich nun. Es mag den einen oder anderen geben, der bei Parade eben auch an dieses gleichnamige Ballett denkt – und er tut gut daran.

Betrachtete ich bislang das Ganze einer Blogparade, so geht es nun im folgenden um Details, die ebenfalls mit dem Begriff einer Parade beschrieben werden.

Parieren im Reitsport

Das Parieren im Reitsport ist quasi das Herunterschalten oder das Bremsen des Pferdes durch Manipulationen mit dem Schenkel, dem Gleichgewicht sowie den Zügeln. Der Reiter unterscheidet eine halbe sowie eine ganze Parade. Wird letzte gegeben, so bleibt das Pferd stehen. Soll es zumindest. Außer dem Tempo kann in einer Parade auch die Gangart gewechselt werden. Alles kann. Nichts muss. Das Wort Parade umfasst hier beides. Nur gehorchen soll das Pferd und machen, was der Reiter im Moment mit der Parade anfordert.

Da eine solche Parade gegeben wird, lässt sich fragen, wer im Falle einer Blogparade der Reiter und wer das Ross ist. Entweder die Schreiberlinge sind diejenigen, die parieren sollen oder es ist die Themendisziplin gemeint, die auch nicht jeder Autor so zwingend einhält. Da werden alte Posts eingereicht, die manchmal nur dann noch passen, wenn der Veranstalter nicht mehr zwinkert, sondern beide Augen zudrückt. Entweder der Autor hält sich selbst im Zaum oder er wird halt abgebremst. Wobei es weniger leichter Schenkeldruck, Gleichgewicht sowie kurzer Zügeldruck sind, die dem Veranstalter zur Verfügung stehen oder dem Autor selbst zur Selbstdisziplinierung zu Diensten sind – auch wenn das ein schöne Vorstellung wäre.

Parieren soll ein Autor also nur in dem Sinne, dass er sich an die gesetzten Regeln halten soll. Im Falle der Blogparade der Karrierebibel sind sie vorbildlich genannt. Ansonsten kann der Schreiberling tun, was er will und wie er es mag. Es soll nur ein Beitrag zum Thema sein. Und das Thema sollte zu seinem Blog passen.

Parieren im Fechtsport

Der Fechter versteht darunter das Abwehren durch einen Schild oder mit der Blankwaffe. Sofort stellt sich bei mir die Vorstellung von Wortgefechten ein. Das können einzelne Thesen sein, die zwischen den Blogs diskutiert werden, aber auch ganze Artikel können sich gegenüber stehen.

Das wäre schön, wenn es gemacht würde. Gerade eine Blogparade eröffnet diese Möglchkeit zu Wortgefechten. Erst dann ergibt die abschließende Zusammenfassung durch den Gastgeber einen Sinn. Sie ist die Rückschau, der Überblick oder die Einführung ins Thema, das nun in all seiner Vielschichtigkeit vor ihm und all den Lesern liegt.

Das Verständnis einer Blogparade von hier aus, ist wünschenswert. Mettez-vous en garde. Die Einladung zur Blogparade kann durch eine Behauptung oder kühne These erfolgen, an der sich die Blogs abarbeiten. Oder Wortgefechte ergeben sich von selbst. Sollten sie zumindest. Es wird von den Gästen ja ein Interesse am Thema unterstellt und davon ausgegangen, dass die Blogparade nicht nur ein bloßes Abladen von Links sein soll. So wird sie aus dem abwechselnden Verständnis von Angriff und Abwehr verstanden. Wobei Parade selbst die Abwehr meint. Eine Einladungsthese also zur Verteidigung des eigenen Standpunktes auffordert. Dass das nicht Rechtfertigung meinen muss, sondern ebenso die Einladung zum Gegenangriff sein kann, müsste jeder strategisch denkende Schreiberling selbst wissen.

Parieren in anderen Sportarten

Ganz gleich, ob Fußball – da meint es das Auffangen, das „Halten“, durch den Torwart eines gegnerischen Balles – oder in den Kampfsportarten, immer ist eine Abwehr gemeint. Es gilt also das schon beim Fechten Gesagte.

Parieren in der Küche

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Küchenchefs ebenfalls ein parieren kennen: Es meint das Entfernen von Sehnen, Häuten und Fett mit dem Messer. Die so entstehende Parüre wird für Fonds genutzt.

Diese Aufgabe wäre dann gegeben, wenn die einzelnen Schreiberlinge hart am Thema arbeiteten. Alles Unnütze entfernten. Und das Entfernte aber nicht als Müll ansähen, sondern daraus die Grundlage für leckere Saucen sähen. Fieserweise könnte man auch meinen, die Blogbeiträge seien eh alle zäh, viel zu lappig und fettig – da muss dann der Gastgeber her als der Meisterkoch, um eine Basis zu schaffen, in der alle gemeinsam zu etwas nutzbar sind. Eben der schließenden Zusammenfassung. Das mögen am Ende aber die geneigten Leser der Blogposts entscheiden, ob dem so ist oder ob eine Blogparade so verstanden werden sollte.

Jedenfalls ist derjenige in der Küche, der die Saucen herstellt, nicht der minderwertige Koch im Team. Keinesfalls der, auf den man verzichten kann.

Dieses ist ein Beitrag zur Blogparade der Karrierebibel zu Blogparaden.