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Intro


Es ist einer dieser heißen Tage. Klimatisch Spätsommer. Über 30 Grad im Schatten. Aber kalendarisch betrachtet Herbstbeginn. Fünfter September. So sitze ich im Schatten eines Cafés im Rheinland und kämpfe mit dem offenen WLAN. An. Aus. An. Aus. Die Entscheidung ist gefallen: Ich blogge zum Thema wie social ich denn nun sei. Die Ausfallorgien des Netzes sorgen für einen etwas mauligen Unterton. Sei es drum! Da müsst Ihr nun durch als Leser.

Offenes WLAN als Geschenk und Schabernack


Aber wer kennt es nicht von Euch? Da sitzt Ihr irgendwo, seid froh, dass es ein offenes WLAN gibt – und dann verwöhnt es Euch mit diesem Staccato. Wieviel Tweets verdanken sich auf Konferenzen diesem Umstand, dass Ihr kein WLAN bekamt? Oder es kurz da war und es wieder verschwand. So einfach. Ohne Vorwarnung. Fort! Deshalb ist es nun beschlossene Sache: Ich werde zum Thema bloggen, denn ich stecke gerade mitten drin. Was könnte besser dazu geeignet sein als der temporäre Verlust der mobilen Weltverbundenheit, um der Bedeutung der Sache an sich gewahr zu werden.

Es begann damit, dass ich einem Bettler seine Obdachlosenzeitung nicht abkaufte, sondern ihn abwies. Stattdessen setzte ich mich in ein stylisches Café, nein, eher so ein hippes Gastronomiedingens für Frozen Joghurt, französische Tartes sowie Teespezialitäten. Sessel und Sitze mit Lederbezug. Etwas für Freunde von asiatischem Design. Nicht unwichtig ist, dass das fast genau vor der Nase des Obdachlosen war. Kurze Zeit später zog er von dannen. Er kam aber wieder. Laut schimpfend über diese iPhone-Besitzer. Dabei besitze ich kein solches Gerät. Ich suchte nur direkt vor seiner Nase nach dem Netz mit meinem Smartphone. Marke Samsung. Aber das muss ich ihm zugute halten: Er maulte in die entgegengesetzte Richtung. Dort befand sich ein Steakhouse. Irgendwie fühlte ich mich dennoch angesprochen.

Ich hätte ihm ja ein paar Cent gegeben. Aber was weiß ich, wie die hier vor Ort organisiert sind. Das ist es eben manchmal. In Dortmund gab es einen Laden, der die Zeitschriften verteilte. Es war bekannt, dass der Besitzer eine eindeutig politische Meinung besaß. Und zwar die, die entgegengerichtet war zu den Lebensinteressen der Obdachlosen. Was weiß ich nun, wen ich mit der Spende unterstütze? Außerdem hatte er eine neue Lederjacke an sowie niegelnagelneue Schuhe. Er sah alles andere aus als obdachlos zu sein.

Also weiter im Text. Das heißt: Erst einmal beginnen.

Nein! Das Netz. Wieder weg! Wie kann ich denn schreiben, wenn die mobilen Kuscheleinheiten, die ich neulich erst lobte, immer wieder verschwinden? Also WLAN, das Netz, ist wichtig. Dringend wichtig. Ein Leben ohne Netz: schwer vorstellbar. Jedenfalls für mich als Blogger. Für mich als Curator von Inhalten. Für meine Kontakte und mich: Man nennt es Kommunikation!

Der restaurative Blick in die reine Offline-Welt: nicht wünschenswert. Reines face-to-face genügt nicht mehr. Zu wenig Expertise um mich herum. Wie kann es heute noch solche Menschen geben, die das fordern: raus aus dem Netz, rein in das, wie es früher gewesen sein soll? Trotz NSA und all der Skandale: Da muss es eine politische Lösung geben. Der vermeintliche Entzug von allem Digitalen jedenfalls bringt nicht die Lösung. Sonst wäre ich jetzt ein glücklicher Mensch. Jedenfalls immer wieder zwischendurch. An. Aus. An. Aus.

Ich wechsle das Lokal mit Hoffnung auf besseres WLAN. Neulich funktionierte es dort sehr gut. Doch neulich war neulich. Dafür springt mich hier das hauseigene WLAN ständig an. Ihr kennt das bestimmt – diese aufpoppende Seiten mit blinkendem Cursor im Formularfeld. Beschreibe mich! – scheint es zu rufen. Schließlich melde ich mich auch bei diesem Anbieter an. Hinterlasse nicht nur meine eMail, sondern ebenfalls meine Telefonnummer. Sie wollen mir die Zugangsdaten per SMS zuschicken. Nur so geht es: via SMS. „So! Das reicht nun für die Geheimdienste“ dachte ich mir. „Jetzt könnt Ihr nicht maulen. Auch sämtliche Polizeibehörden, die keine richterliche Erlaubnis wollen – aber, ach nein. die gibt es ja nicht. Da halten sich alle brav an die Vorschriften! Und von fremden Diensten wird sich keiner die Daten besorgen.“ Schmunzelnd setze ich meine Tipporgie fort. Währenddessen zwitschert mir mein Samsung, dass eine neue Nachricht da ist. Nein, sie ist es nicht. Speicher voll. Kann keine Nachrichten empfangen. Also auch keine SMS. Nun weiß wer auch immer, meine Daten und ich habe nichtmals was davon. Weiter also mit stotterndem WLAN.

Kommunikation als Wert an und für sich sowie als Reputation


Ich twittere, also bin ich. Es gibt kaum etwas, das ich nicht öffentlich twittere. Dabei schreibe ich entweder eigene Gedanken auf oder kuratiere und teile ebenso fremde Inhalte. Stay informed! Darum könnte ich ebenso schreiben: Ich share, also bin ich – auch wenn das kein cartesianischer Skeptiker so schreiben würde.

Dem einen sind es zuviele eigene Gedanken, dem anderen zuviel fremde Inhalte. Anderen kann man es eh nicht recht machen. War und wäre auch nie ein Ziel für mich. Verlorene Lebenszeit. So machen sich einige nur unglücklich, wenn sie so der Meinung anderer folgen. Sachliche Kritik ist etwas anderes. Die ist nützlich.

Meine Follower, Fans und von mir Gefolgten produzieren ständig eigenes Wissen oder teilen das von anderen. So extrahieren einige Aggregatoren besondere Tweets und präsentieren sie in eigenen digitalen Zeitschriften. Die TweetedTimes wird einzig durch meinen Twitterstream gefüttert. RebelMouse durchforstet zusätzlich Google Plus sowie Facebook. Und die Paper.lis erweitern die Suchanfragen noch durch Suchmaschinenabfragen. Die Zeitschriften sind öffentlich zugänglich und abonnierbar. Also social pur. Ich behalte das Wissen der anderen nicht als Herrschaftswissen (Habermas) für mich in dieser geordneten Form, sondern gebe es der Community zurück. Teile das Wissen mit ihr.

Vorwiegend haben meine Inhalte etwas mit Kommunikation zu tun. Darum überwiegen fachliche Themen zu PR, Werbung, Journalismus, Medien – und Social Media im besonderen. Politik ist ebenfalls ein kommunikationslastiges Thema. Darum twittere sowie blogge ich auch darüber. Das ganze Schreiben-Über würde mich auf Dauer langweilen. Ach geh! Da muss auch „Butter bei die Fische!“ – also spiele ich ebenso auf meinem Blog „Medienstübchen“ mit Formen. Der geneigte Leser wird ein Spiel mit Formen sowie Formalem auch in meinen beiden anderen Blogs „countUP Blog“ (dieses hier) sowie mein Fachblog „PR goes social“ finden (jenes dort ).

Natürlich könnte ich jetzt überall die journalistischen Formate digital nachbilden, um meine Reputation in diesem beruflichen Feld nachzuweisen. Aber: Täte ich das wirklich dann? Was soll das Schreiben von Artikeln, das davon ausgeht, dass irgendeine Nase den Text gegenbenfalls von hinten wegkürzt? Ey, wir sind online! Da gibts sowas nicht. Jedenfalls gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, so zu schreiben, weil wir den Platz haben. Wie lang ein Blogpost ist ist quasi wurscht. Mal abgesehen davon, dass ich in meinen Blogs mein eigener Chefredakteur bin.

Wir müssen nicht alles über Bord werfen, was der Journalismus hervorbrachte. Die Unterteilung in Information und Meinung halte ich für sinnvoll. Nur ist Schreiben Online oft mehr das Mitteilen der eigenen Meinung. Also der Kommentar. Leitartikel! Heilige Kuh des Chefredakteurs. Kein Wunder, dass die Hohenpriester von Print keine Relativierung ihrer Leistung sehen wollen. Hier läge übrigens eine Chance der Papierverarbeiter mit besserer Qualität zu glänzen. „Hey, wir können es doch besser!“

Politik. Das spannende am derzeit aktuellen Spionagefall sind mehrere Dinge: Er ist weltweit, was nochmals die Aktualität von Nationalstaaten in Frage stellt. Oder man sich fragen kann: Welche Kompetenzen kann ein Staat dieser Tage überhaupt noch haben?

Und desweiteren ist es ein Beispiel größtmöglicher Nichtkommmunikation. Schweigen und Verschweigen auf hohem Niveau. Zeiten, in denen schwarzer Edding zum Symbol von Transparenz erhoben wird – man denke an die Akten der NSA an die deutsche Regierung, auf die sich Pofalla bezog. Konkrete Kunst. Schwarze Linien auf weißem Grund. Er verkauft sie uns als Informationsmitteilung. Doch sie können nur schwarze Striche auf Papier sein. Eine hermeneutische Fehlleistung. Oder eben reine Diegese . Die Politik wird fiktional. Das Ende von Evidenz. An ihre Stelle treten neue Mythen. Auf jeden Fall ein Thema für Profis in Kommunikation!

Reputation als Ziel ergibt sich also weniger durch Präsentieren von gelungenen Beispielen, die Profis aufschreien lassen, „Oh, das ist professionell!“ und dann nur wieder Bekanntes wiedererkennen, sondern mehr durch das Wagen in unbekannte Gebiete. Durchspielen neuer Formate. Aufzeigen von Chancen und Möglichkeiten. Welche Formate in Blogs gibt es, kann es geben und wird es geben? Das kann man nicht so ohne weiteres beantworten. Das muss man machen.

Tanz auf vielen Hochzeiten


Ich lebe Social Media. Neben Twitter, Facebook, GooglePlus bin ich in noch weiteren Netzwerken sowie auf anderen Plattformen. Schon rein beruflich. Aber hier mache ich keine Trennung zwischen Privat und Beruf. Es gibt keine Plattform, die ich nur für Privates oder nur Berufliches nutze. Zu oft wird berufliche Kommunikation privat und private Kommunikation beruflich. Ich blogge auf Blogger (Google) sowie WordPress, spiele aber auch auf anderen Plattformen herum.

Social Media läuft lebensbegleitend. Darum das Drama mit dem stotternden WLAN. Es ist wie ein ständiger Begleiter. Wenn die Bahn wie neulich aus dem Bahnhof „Düsseldorf Airport“ eine Zugausstellung macht, die Durchsage verlautbart, es finde kein Zugverkehr mehr statt, dann twittere ich derlei Aktuelles selbstverständlich. Ich war kurz vor einem Interview mit einem der Lokführer, da kam die gegenteilige Durchsage, die Züge dürften doch wieder fahren. Im Gespräch mit ihm war ich bereits. Leider hatte ich kein Reporter-Mikrofon dabei. Das wäre sofort als Podcast herausgegangen. Thema egal. Aktuell halt. Es gibt keine bestimmten Zeiten für Social Media bei mir. Theoretisch ist es fast immer möglich. Es geht um Menschen, Zwischenmenschliches, Informationen und Meinungen.

Ich schließe nun diesen Blogpost.

Ein Musiker, der für die musikalische Untermalung sorgt, beendet seine Darbietung. Er grüßt nett als er an meinem Tisch vorüberzieht. Seinen Hut streckt er mir entgegen. Vielleicht gebe ich ihm etwas, vielleicht auch nicht. Das möchte ich Eurer Phantasie überlassen. Wie hättet Ihr reagiert? Wie sozial seid Ihr?

Das ist ein Beitrag zur Blogparade von Tim Ehling auf ethio