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Horror Vacui

Da sitze ich nun. Ich schaue in den hellen Monitor. Eigentlich unverschämt dieses leuchtende Weiß. Frech blinzelt mich der Cursor an. Als wollte er mir etwas damit sagen. Blink, blink, blink. Ob er sich einsam fühlt? Ach Quatsch. Ein Cursor hat keine Seele! Er ist etwas Technisches. An, aus, an, aus. In kurzen Intervallen gibt er immer wieder die hell scheinende Fläche frei. Oder er zeigt: Ich bin noch da. Auf ihn kann ich mich verlassen. Sein wiederkehrendes  Erscheinen ist mir gewiss.

Eigentlich unverschämt – so ein Rhythmus. Unbeirrbar. Immer gleich. Er ist der Herzschlag der leuchtenden Fläche.

„Na warte!“ – denke ich mir. Dich schicke ich auf Reisen. Also tippe ich die ersten Buchstaben in die Leuchtfläche. Brav folgt er. Erst ein Wort. Dann ein ganzer Satz. Ha, nun ein Abschnitt. Auch der Backspace-Taste gehorcht er. Wenn sie nach links schreitet, geht er mit. Und immer blink, blink, blink. So schreitet der Nachmittag fort. Der Abend. Die Zeit verrennt. Die Fläche füllt sich. Aber der Cursor siegt. Beharrlich existiert er weiter in seinem niemals endenden blink, blink, blink.

So langsam werde ich müde. Ich beende den Abend, indem ich die Publish-Taste drücke. Meine Augen sind auf den Button gerichtet. Er verändert sein Antlitz von einer grauen Schaltfläche mit klar erkennbarer Aufschrift zu etwas, das sich weder weiterhin anklicken lässt, noch lesen. Die Schrift erscheint in blur. Genau jetzt klicke auf die kleine Weltkugel. Der Browser öffnet sich. Endlich ist er weg: Kein Cursor mehr. Siegesgewiss kann ich mich nun anderen Arbeiten widmen oder ins Bett legen.

Blick in den Spiegel

Wir Ich ich ich ich. Ich ich ich ich ich ich ich ich und ich. Ich. Ich Ich. Ich ich ich. Ich ichichich. Ich! Ihr Nein ich. Ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich. Ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich. Ihr ICH ICH ICH.

Ich.

Ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich .

hach Ich. 🙂

Wut

Da ist ein Drängen, das will Text werden. Worte finden sich wie von selbst. Worte gibt es genug. Aber die Auswahl ist nicht leicht. Jedoch zum Glück: Ganze Sätze sprudeln aus mir heraus. Wenn ich es nicht festhalte, fließt mein Gedankenfluss weiter. Doch am nächsten Morgen verflüchtigt sich das alles. Zerfließt, ohne die Lösung gefunden haben.

Und ich muss mühsam wieder von vorne beginnen.

Ein Wiederaufrufen der Gedanken fällt schwer. Um eine Lösung zu finden, müssen sie fixiert werden. Festgehalten in pointierten Sätzen. Sätze, die ich wiederlesen kann. Das wird Arbeit am Text. Daraus werden Sätze, die ich anderen mitteilen kann. Die sie diskutieren können. Das sind Sätze, die sind für die Debatte gemacht. Sätze, die man irgendwo irgendwem vorbringen kann. Vortragen. Minnegesang der Wahrheit. Zumindest der Fakten.

Bruta facta sagen nichts – so lautet ein bekanntes Diktum. Fakten müssen in eine Geschichte eingebunden sein, die sie erklären. Die ihnen eine Ordnung geben. Diese muss nachvollziehbar sein. Wahr im umgangssprachlichen Sinn. Nur dann verspüre ich dieses Drängen in mir, das andere auch bewegen soll. Sie sollen ihren Arsch hochkriegen, damit wir etwas gemeinsam verändern. Der Fachmann nennt das AIDA-Formel – zumindest wenn er über die Texte spricht. Die Bevölkerung aber huldigt meist dem Götzen, der ihnen Brot und Spiele verspricht. Sie fordert sogar eine Politik, die ihnen selbst schadet. Und lacht darüber. Sie meint, dann trifft sie das alles nicht. Ein fataler Schutzmechanismus, der letztendlich Schein ist, nicht Sein.

Der meiste soziale Schaden beginnt mit der Spaltung zwischen ihr und wir. Das beginnt im Privaten, setzt sich fort im Beruf und schlussendlich endet es in der Politik im Völkermord. Das ist nichts anderes, als die Angst vorm Fremden. Auch vorm Fremdgehaltenen: „Und bleibst du uns nicht fremd, dann wirst du dazu gemacht!“ Eine Supportabteilung, die diese Haltung beibehält, wird in Social Media recht schnell erfahren, was ein Shitstorm ist.

Dieses Drängen zu bloggen, ist ein Drängen, aufzuklären – oder mir einiger Sachverhalte klar zu werden. In letzterem Fall wird Text zur Spur, mehr Textur des Findens als fertige Form. Einführungsveranstaltungen dürfen andere machen, die dieses mit Hingabe und gerne tun. Mein Ding ist das weniger. Oberlehrer dürfen andere spielen. Lieber ist es mir, mich mit denen auszutauschen, die ebenso eine Lösung suchen. Sie haben bereits ähnliches erkannt und leiden darunter. Oder freuen sich. Egal wie, sie sind emotional davon betroffen. Die Debatte ist mehr als nur erwünscht, kein Übel: Kein Mensch kann alles überblicken. Die Sicht der anderen ist notwendig, damit die Not sich wendet. So spiegelt sich in der Kritik das Schillern der Wirklichkeit – und nur in der Vielfalt! Lieber ein Raisonnieren als ein totales System. Lieber mit Kant gedanklich spazierengehen als mit dem Teutonen Hegel. Noch besser: Keine Angst, sollte die Form Kunst werden wollen. Oder Literatur. Oder Musik.

Fachlich blogge ich zu professionller Kommunikation in PR goes social. Das Medienstuebchen ist meine Spielwiese für Photographie, Video, Audio und Text. Dieses Blog countUP ist eher personenbezogen. Hier publiziere ich ebenfalls alle Blogparaden, sofern sie nicht eindeutig in die anderen Blogs passen.

Dieser Blogpost ist mein Beitrag zur Blogparade von Alexandra Steiner „Am Anfang war das Wort – warum blogge ich?“

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